Maastricht, ich komme...

Dieser Weblog soll über meinen Auslandsaufenthalt an der Universiteit Maastricht im Herbst/Winter 2007 informieren.

Manchmal gibt es im (Uni-)Spiegel interessante Artikel über meine/unsere Generation. Wir sind Studenten! Zu Dostojewskijs Zeiten waren Studenten arm und irgendwie edel, weil sie für ihren Wissensdurst hungerten. Danach waren Studenten mal “Revoluzzer und kiffende Zottel” oder “gepflegt, aber faul und partysüchtig”. Mittlerweile assoziiere ich / assoziiert man doch eher die “Generation Praktikum” mit der aktuellen Studentengeneration, oder? Praktika sind wichtig, am besten im Ausland. Oder wenigstens ein Semester im Ausland studieren - das ist die Regel, nicht mehr die Ausnahme. “Global Generation” vielleicht? Auch der Arbeitsmarkt, der Drang zur Verwirklichung und sicher auch die gefallenen Mobilitätskosten tragen dazu bei, dass der Job nach dem Studium wohl nicht mehr im 200km Radius des Heimatorts liegt, sondern man als Volkswirt auch die Stellenanzeigen der EU in Brüssel, bei den Vereinten Nationen in Genf oder an einem Institut in Hamburg ansieht. Oder nicht mehr im eigenen Bundesland studiert, sondern an der Hochschule mit dem besten Ranking oder den niedrigsten Studiengebühren.

Und das alles macht uns auch zur “Generation Fernbeziehung” wie in diesem Artikel beschrieben.  Hier in Maastricht ist es besonders “schlimm”. Fillipo kommt aus Mailand, studiert jetzt mit mir in Maastricht und fliegt übers Wochenende ab und zu zu seiner Freundin nach Dublin. Bratt kommt aus Kanada und studiert hier in Maastricht, damit ihn seine Freundin, die in Düsseldorf bei Loreal Praktikum macht und früher als normale Studentin in Maastricht studiert hat (aber eigentlich aus Deutschland kommt) am Wochenende sehen kann.  Das Herz von Dan gehört den Wiener und Londoner Frauen, weil er aus Wien stammt, aber in London studiert. Auch wenn er jetzt für ein halbes Jahr Exchange Student in Maastricht ist, dann fliegt er doch alle zwei, drei Wochen mal nach London oder Wien um Freunde zu treffen.

Aber man muss doch gar nicht nach Maastricht blicken. Temporär lebe ich jetzt in einer Fernbeziehung. Wenn ich zurück bin wird daraus wieder eine soviel bessere Wochenendbeziehung und es wird mit ziemlicher Sicherheit die nächsten 3 Jahre bei einer Wochenendbeziehung bleiben.  Luke, Steffis Freund ist Amerikaner, kennengelernt bei einem Auslandsaufenthalt. Sie sehen sich auch nur im Jahr drei mal im Jahr, dafür dann länger, aber immer noch viel zu selten. Mein Freund “Helles” wohnt zwar mit seiner Freundin in München, arbeitet aber für seine Firma während der Woche in Hamburg. Simon trifft man oft um 4 Uhr nachts online - da telefoniert er mit seiner Freundin in den USA - auch ein “Angewohnheit”, seit er aus wieder vom Auslandsjahr zurück ist. Tagsüber arbeitet er bei der Deutschen Bank in Frankfurt.  Ich könnte noch 10 andere Beispiele aufzählen.

Manchmal rettet man sich damit, sich selbst abenteuerlich-exotisch zu finden. Zwei Städte, zwei Leben, rumkommen, unterwegs sein - Fernbeziehungen gehören zum mobilen Studentenleben wie Praktika und Erasmus.

Diesen Satz kann ich voll unterstreichen. Ich glaube keiner von uns findet es schön so zu leben.  Aber was haben wir für eine Wahl in dieser Zeit?

One Response to “Generation Fernbeziehung”

  1. Echt krass, wenn man sich das mal so durch den Kopf gehn lässt…
    Wie viele unserer Freunde leben nicht in einer Fernbeziehung? Bei mir im Endeffekt nur ein paar Münchner..

    Mina

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Add to Technorati Favorites